Die Gründe


Die Qualität der Informationsmedien ist in unserer Demokratie von fundamentaler Bedeutung. Die Medienqualität schlägt sich direkt in der Qualität des öffentlichen Diskurses nieder. Die Strukturveränderungen der Medienindustrie als Folge der digitalen Revolution sowie die verstärkte Konkurrenz durch internationale Anbieter beeinflussen zunehmend die Geschäftsmodelle von Medienhäusern. 


Die Umwälzungen beeinträchtigen die Medienqualität auf mehreren Ebenen

 
  • Die Redaktionen müssen mit weniger Personal auskommen; die Ressortstrukturen werden im Newsroom weitgehend aufgelöst. Beides beeinträchtigt die Dossierkompetenz.
  • Die Konvergenz der Medien bringt es mit sich, dass die Redaktionen die Stoffe multimedial aufbereiten müssen. Darunter leidet die Tiefe.

  • Online-Redaktionen sind «Click-orientiert», was die Boulevardisierung sowohl in der Themenauswahl wie -aufbereitung fördert. 

  • Der wirtschaftliche Druck führt zu einem kommerziellen Denken auch bei Journalisten.

  • Die (Einschalt-)Quote wird zum Massstab der journalistischen Arbeit. Das Partikuläre, Aufsehen erregende und Exotische erscheint spannender und erfolgversprechender als die Berichterstattung über das allgemein Relevante.

 

Der Aufbau des Qualitätsratings 

 

1. Berichterstattungsqualität


In Modul 1 wird der publizierte Inhalt anhand folgender zentraler Qualitätsdimensionen geprüft:

  • Relevanz: Stehen die für die Allgemeinheit bedeutenden Themen im Zentrum der Berichterstattung und nicht das Private und Partikuläre?
  • Vielfalt: Werden die  relevanten Gesellschaftssphären (Politik, Wirtschaft, Kultur) ausreichend abgebildet? Wie gestaltet sich das Verhältnis Hardnews versus Softnews? Sind Themenvielfalt, Akteursvielfalt und Meinungsvielfalt gewährleistet?
  • Aktualität: Werden Ereignisse in ausreichendem Mass eingeordnet, d.h. in längerfristige Ursachen- Wirkungszusammenhänge eingebettet? Werden neue, gesellschaftlich relevante Themen rechtzeitig aufgegriffen?
  • Professionalität: Inwieweit werden die professionellen «Handwerks»-Normen eingehalten? Beruht die Berichterstattung in ausreichendem Mass auf redaktioneller Eigenleistung? Ist der Umgang mit Quellen sorgfältig? Ist der Diskursstil sachlich, d.h. erfolgt Kritik auf der Basis gut begründeter Argumente?
 

2. Qualitätswahrnehmung


Modul 2 erforscht die Qualitätswahrnehmung bei wichtigen Stakeholdern und bei der Bevölkerung. 

  • Jährlich werden rund 50 Kommunikationsexperten der wichtigsten Stakeholdergruppen von Medienorganisationen zu ihrer Einschätzung der Qualität der verschiedenen Medien befragt. Diese Panel-Befragung bildet das Kernelement von Modul 3. 
  • Die Einschätzung zur Reputation und Qualität eines Mediums bei den Medienkonsumenten wird mittels einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung erforscht.
  • Ausgewertet werden Dokumente von Presserat und Ombudsstellen sowie Gerichtsurteile. 

 

3. Organisatorische Qualitätssicherung

 

Dieses Modul soll evaluieren, inwiefern die folgenden Strukturdimensionen der Qualitätssicherung dazu beitragen, dass in der journalistischen Produktion unter Rückgriff auf qualitätssichernde Ressourcen und Prozesse die journalistischen Angebote nach bestimmten Regeln (Qualitätsziele, Normen & Standards) produziert werden. In folgenden fünf Bereichen werden mittels einer Analyse öffentlich zugänglicher oder zugestellter Dokumente sowie mittels mündlicher Befragung der Kader (Leitfadengespräch) Fragen zur Praxis der Qualitätssicherung beantwortet:

Bei der strukturellen Qualitätsanalyse wird untersucht, ob die Voraussetzungen zur Qualitätssicherung vorhanden sind, und zwar auf folgenden Ebenen:

  • Qualitätsziele: Kommuniziert das Management publizistische Qualitätsziele intern wie extern? Existieren ein publizistisches Leitbild, ein Redaktionsstatut oder Ethik-Codices?
  • Personalentwicklung: Existieren Ausbildungskonzepte und Job-Beschreibungen? Werden Mitarbeitergespräche durchgeführt?
  • Organisationale Struktur: Fördert die organisationale Struktur des Gesamtunternehmens die Binnenvielfalt und existieren auf Redaktionsebene Ressortstrukturen?
  • Prozesse: Bestehen Prozesse, welche die Qualitätsproduktion präventiv (Planung), produktionsbegleitend (Gegenlesen; Abnahmen) sowie korrektiv (Blatt-/Sendungskritik) sichern und die journalistische Leistung systematisch evaluieren (Publikumsforschung, Ombudsstelle)?

In der Praxis wurde dieses Modul in der Periode 2016/17 erhoben; die Resultate blieben unvollständig, da nicht alle Medienhäuser bereit waren zu kooperieren. Die aktive Beteiligung der Medienunternehmen ist jedoch Voraussetzung zur erfolgreichen Durchführung.

 

Analyseteam aus Wissenschaftlern

 
  • Mark Eisenegger

    Ordentlicher Professor für Kommunikationswissenschaft (IKMZ) an der Universität Zürich sowie Institutsleiter des fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich.

  • Diana Ingenhoff

    Ordinaria für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Organisationskommunikation und Kommunikationsmanagement, am DCM Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Fribourg.

  • Vinzenz Wyss
    Professor für Journalistik, Institut für Angewandte Medienwissenschaft, ZHAW
 

Gründungsmitglieder Stifterverein

  • Markus Notter
    Präsident Stifterverein, Präsident Opernhaus Zürich, ehemaliger Regierungsrat Kanton ZH
  • Andreas Durisch
    Managing Partner Dynamics Group AG, ehemaliger Chefredaktor SonntagsZeitung
  • Sylvia Egli von Matt
    Direktorin MAZ 1999-2014
  • Bruno Gehrig
    Verwaltungsratspräsident Swiss